28 Juli 2012

Staghorns






Staghorns

An vielen Bäumen entdeckt man hier Staghorns. Diese Farne sind epiphytische Gewächse. Das bedeutet, dass sie auf anderen Pflanzen wachsen. In den Tropen eine ziemlich beliebte Möglichkeit für kleinere Gewächse, sich im dichten und dunklen Wald einen Platz in den höhergelegenen und somit helleren Bereichen zu sichern. Im Prinzip vergleichbar mit der kleinen Freundin, die bei einem Konzert auf den Schultern ihres Typen sitzt (und allen anderen hinter ihr die Sicht versperrt).

21 Juli 2012

Butcherbird


die Magpie, die die Schlange klaute


Kookaburra


unter Beobachtung


irgendein Piepmatz vor meinem Fenster


irgendein roter Papagei vor meinem Fenster


Kookaburra


Vögel - wir sind hier ganz woanders

Eigentlich hatten wir uns ja nie als Vogelkundler betrachtet, aber Australien scheint diesen aus uns heraus zu kitzeln. Vögel prägen nämlich nicht nur das Bild Australiens, sondern sind auch hauptverantwortlich für den Ton des Kontinents, an den wir uns wahrscheinlich immer erinnern werden.

Herausragenster Vertreter der Gefiederbrüder ist der „Lachende Hans“ oder Kookaburra (für alle die es ganz genau wissen wollen: Es handelt sich um einen Jägerliest, Dacelo novaeguineae). Der Kookaburra stammt aus der Familie der Eisvögel – ihr wisst schon, die die in der Krombacherwerbung in die vermeindliche Bigge abtauchen – und ist die große, kastige Version seiner europäischen Verwandten. Als wir den wahrscheinlich markantesten Gesang im Vogelreich das erste Mal hörten, fühlte sich Uli nach Afrika versetzt. Schlaue Tonleute verwenden seinen Ruf nämlich in vielen Filmen als exotische akustische Untermalung in allen erdenklichen Urwaldparadiesen. Hier ein Audiobeispiel: Kookaburra
Aber der Hans lässt nicht nur von sich hören, er gibt auch optisch ein schönes Bild ab. An sich ist er im Vergleich zu anderen filigranen Vogelarten etwas „kompakter“ gebaut und besitzt dazu einen äußerst massiven Schnabel. Farblich dominieren Beige- und Brauntöne sein Erscheinungsbild mit einigen blauschimmernden Federn an den Flügeln und am Hinterkopf.

Am zutraulichsten sind die Magpies. Das sind Elstern, die uns besonders bei der Arbeit im Orchard genauestens beobachten. Wir scharren im Boden nämlich jede Menge Insekten und anderes Getier frei, das die dann nur noch einsammeln müssen. Kürzlich haben wir einen Busch freigegraben. Darunter hat Uli eine kleine Schlange geortet. Giftig? Keine Ahnung, aber in Australien sollte man erstmal davon ausgehen und da spielt die Größe keine Rolle. Wir haben dann erstmal Abstand genommen und während Ben zur Kamera gehastet ist, hat sich eine Magpie das Reptil schon unter den Nagel gerissen und ist damit stiften gegangen. Ben hinterher, während der Vogel auf der Flucht vorm vermeindlichen Schlangendieb immer wieder anhielt, um die Schlange auf Gestein zu schmettern.

Wie von den Magpies werden wir auch sehr genau von den Butcherbirds beobachtet. Die „Metzgervögel“ verdanken ihren Namen ihrer nachhaltigen Futterbeschaffung. Wenn sie gerade keinen Hunger haben oder mehr sammeln konnten als sie im Augenblick brauchen, werden Eidechsen, Würmer & Co. feinsäuberlich auf Äste gespießt. Sieht dann so aus wie an der Metzgertheke.

Während die Magpies über den Boden laufen und alles aufpicken was ihnen über den Weg krabbelt, sitzen Kookaburra und Butcherbird auf einem Ast und stürzen sich dann auf die erspähte Mahlzeit. Nach mittlerweile 5 Wochen Futterbeschaffungsunterstützung für die heimische Vogelwelt (so kommt man sich beim Weeding wirklich manchmal vor) sind die Vögel so zutraulich geworden, dass sie teilweise in wahrhaftig greifbarer Entfernung zu uns verharren, um den nächsten gefundenen Leckerbissen in Empfang zu nehmen. Den Baum an dem wir gerade arbeiten kann man dann schon fast mit dem Speisezahl eines mallorquinischen Hotels verwechseln, vor dessen Türen sich deutsche Touristen bereits 10 min vor Buffeteröffnung die Beine in den Bauch stehen.

Zwei weitere Vogelarten sind hier in Queensland auch noch auf jeden Fall zu erwähnen. Leider konnten wir diese bis jetzt noch nicht persönlich kennenlernen. Da ist zum einen der Lyrebird, der alle Geräusche in seinem Umfeld mit erstaunlicher Ähnlichkeit imitiert. Weil sich die Lebenräume des Menschen mit denen des Lyrebirds üerschneiden, gehören nicht nur andere Vogelstimmen zu seinem Repertoire, sondern auch Geräusche von Kameras, Waldarbeitern und sogar Kettensägen. Hier gibts ein Video dazu

Der Bowerbird ist der Raumaustatter unter den hiesigen Vogelarten. Um die Damenwelt zu beeindrucken, baut er ein Nest, welches den Gemeinschaftshäusern der indigenen Bevölkerung im Amazonasgebiet ähnelt. Rundherum ist der Fußboden blitzblank gesäubert und in verschiedenen Ecken werden dann Blüten, bunte Plastiksachen oder Käfer arangiert. Das sieht dann so aus.

Außerdem lassen sich in unserem Garten Ibisse, Papageien und Kakadus blicken. Die sind allerdings etwas vorsichtiger oder vielleicht einfach nicht so verfressen wie die Magpies und Butcherbirds. Deswegen gibts von denen momentan noch keine vernünftigen Fotos. - Moment, gerade als ich diesen Satz geschieben habe, habe ich einen Papagei vor meinem Fenster erwischt...

Jedenfalls kann man sagen, dass uns die Geräuschkulisse um uns herum immer wieder mal daran erinnert, dass man doch ganz woanders ist.

06 Juli 2012

Regenwald: die Tamborine Mountains


um uns herum gibt es meistens Wald


lookoutpoint neben unserer Farm


drinnen


unsere eine Terrasse


unsere andere Terrasse


Queensland: Tamborine Mountain (seit dem 17.06.2012)

Auf der Flucht vor allzu winterlichen Temperaturen haben wir nun Westaustralien verlassen und befinden uns seit etwa drei Wochen in Queensland. Hier geht es tropischer zur Sache. Dennoch ist auch hier Winter: kürzlich wurde von der längsten Kältewelle in Queenslands Hauptstadt Brisbane seit 15 Jahren berichtet. Dort war es über eine Woche konstant unter 20 Grad! Wir sind jetzt in Tamborine Mountain. Das ist ein Hochplateau etwas landeinwärts von Brisbane mit Australiens ältestem Nationalpark und viel Regenwald drumherum. Queensland ist etwa fünfmal so groß wie Deutschland und hat 4 Mio Einwohner, von denen 2 Mio in der Hauptstadt Brisbane leben. Etwa 40 km von uns entfernt wird auch das Dschungelcamp gedreht, welches im Vorgarten eines Farmers angelegt ist und etwa so gut erschlossen ist wie jede durchschnittliche europäische Kleinstadt. Der Durchschnittsaustralier hat für dieses TV-Format auf Nachfrage überhaupt kein Verständnis, weil er im Normalfall abgelegener wohnt als es sich jeder Dschungelpromi vorstellen kann.

Auf der Suche nach einem interessanten Host stießen wir auf Brett (schreibt sich wirklich so). Der ist neu im Wwoofer-Geschäft und hat als Farmmanager für die nächsten fünf Jahre den Auftrag, eine vernachlässigte Avocadofarm wieder auf Vordermann zu bringen. Der neue Eigentümer, der irgendwo in Übersee –ich glaube Jakarta- wohnt, hat die Farm als Geldanlage gekauft. Brett ist eine Woche vor unserer Ankunft eingezogen und steckt daher ganz in den Anfängen seines Mammutprojektes.

Das Haus in dem wir wohnen ist groß und komfortabel. Natürlich hat hier noch nicht alles seinen Platz gefunden, Brett geht nahezu jeden Tag einkaufen, um den Hausstand zu bereichern. Sein Kumpel Matt -seines Zeichens Rhabarberfarmer, Dreadlockträger und Musiker- ist direkt mit eingezogen. Der stammt nämlich aus einer deutschstämmigen Riesenfamilie und die bevölkert ein zu kleines Haus.  Hier handelt es sich also um einen Junggesellenhaushalt, was zur Folge hat, dass ab  nächster Woche neben Dartsbrett und Tischkicker auch ein Poolbillardtisch im Wohnzimmer Platz finden wird. Mal was anderes. Einen Hund gibts diesmal leider nicht...

Bis vor kurzem waren außer uns noch zwei Wwooferinnen aus Hong Kong hier, die sind aber jetzt nach Brisbane zum Arbeiten weitergezogen. Ihren Platz hat jetzt James aus England eingenommen, zu dem wir aber noch nicht soviel sagen können, weil er wiegesagt noch nicht lange da ist. Erster Eindruck: sehr nett.
Zu unseren alltäglichen Aufgaben, dem absolut zugewucherten Avocadoorchard mit vielen, vielen Vögeln und unseren Regewaldwanderungen bald mehr.