26 November 2012

Runter ins Amazonasbecken (16.11. – 23.11.2012)

Rurrenabaque / 105 m üNN

Bisher waren wir hauptsächlich im hohen und gebirgigen Andenteil bzw. im zentralen Hochland (auch hügelig aber etwas fruchtbarer) unterwegs. Die Anden gehen im nörlichen und östlichen Teil des Landes aber relativ abrupt in eine gänzlich gegensätzliche Landschaft über, die 50% der Gesamtfläche Boliviens ausmacht: das Amazonasbecken. Dort wollten wir nun das andere Gesicht Boliviens mit seiner einmaligen Pflanzen- und vor allem Tierwelt unter die Lupe nehmen. Das Hauptproblem ist erstmal dorthinzukommen. Von La Paz kann man mittels einer 18- bis 24-stündigen Busfahrt nach Rurrenabaque gelangen. Und das liegt nicht an der Distanz, sondern an der Straße, die zum Teil halsbrecherische Passagen hat und von der auch regelmäßig mal ein Fahrzeug in die Tiefe stürzt. Glücklicherweise gibt es noch die Option zu fliegen und das dauert nur 40 Minuten! Klar muss man für den Flug etwas tiefer in die Tasche greifen, aber die Kombination aus mehr Sicherheit und einem Bruchteil der Zeit, in der das Sitzfleisch (und die nicht den bolivianischen Normen entsprechenden Beine) mal wieder auf den Prüfstand gestellt wird, haben uns überzeugt. Der Flug in der zweimotorigen Propellermaschine war ein Highlight an sich. Zwanzig Plätze in insgesamt zehn Reihen, Sichtkontakt ins Cockpit und eine alles in allem etwas in die Jahre gekommene Ausstattung hat man ja auch nicht alle Tage.

Wir landeten in Rurrenabaque auf einer Graspiste und liefen schnurstracks gegen die „30 °C / 90% Luftfeuchtigkeitswand“. Nachdem wir unser Gepäck in einer Art Schuppen, der frei herumlaufende Schweine von der Landebahn trennte, in Empfang genommen hatten, gings dann ins Dorf, wo wir direkt unsere Tour in den Pampas del Yacuma Nationalpark buchten.

Am nächsten Morgen fuhren wir und 6 weitere Reisende in drei Stunden mit dem Jeep nach Santa Rosa, wo wir mitsamt Lebensmitteln und Generator auf ein 8-Mann-Boot umstiegen und unseren Guide namens Toto kennenlernten. Der schipperte unsere Gruppe in den nächsten drei Tagen durch die Pampas. Wir hofften während dieser Tage Capibaras (unsere Lieblinge aus dem Kölner Zoo) und Alligatoren zu sehen und mit etwas Glück noch andere Tiere zu entdecken. Man kann nur soviel sagen: Nach fünf Minuten Fahrt passierten wir die ersten Capibaras und Alligatoren und nachdem wir nach drei Stunden unser Camp erreichten, zuckten wir noch nicht einmal mehr mit den Wimpern, wenn sich mal wieder ein Alligator neben unserem Boot zu Wasser ließ. Außerdem sahen wir Schildkröten, Totenkopfäffchen, jede Menge Wasservögel und –ab und zu ganz kurz- die rosanen Flussdelphine, die sich hier tummeln. In unserem Camp, welches direkt am Fluss lag, lebten in den Bäumen Brüllaffen und einen Tukan haben wir auch entdeckt.

Ein Abendessen sollten wir uns dann auch selber verdienen und so fanden wir uns mit rudimentärer Angel und Köder im Boot wieder, um Piranhas zu fischen. Während Ben nur zwei Äste herauszog, gelang es Uli, einen der Beißer an Land zu ziehen. Imposante Beißerchen, aber kein kulinarisches Highlight – viel Knochen, wenig Fleisch.

Unsere Pampastour und die Tierbeobachtungen aus nächster Nähe werden sicherlich als eines der Highlights unserer Reise in Erinnerung bleiben. Bevor wir unseren Rückflug nach La Paz antreten konnten, wurden wir noch zwei Tage ausgebremst. Am ersten Tag war Volkszählung im ganzen Land und niemand durfte sein Haus oder Hotel verlassen. Wir wurden übrigens auch vom Volkszählbeamten ausgefragt und erfasst – hier macht keiner Bohei um Datenschutz. Am nächsten Tag wurde unser Flug wegen starken Regenfällen gestrichen und so gings dann erst am nächsten Morgen zurück nach La Paz.

16 November 2012

das ist La Paz!


Platz ist Mangelware


eigentlich ganz bunt


im Kloster San Francisco


die Ausgrabungsstätte von Tiwanaku


massiv


Tiwanaku-Statue


Truffipassagiere


anstrengendes aber interessantes La Paz (13.11. – 16.11.2012)

La Paz / 3100-4100 m üNN

Für La Paz waren wir von anderen Reisenden vorgewarnt: Eine Großstadt auf rund 4000 Metern Höhe, nicht besonders ansehnlich, Smog, viel Verkehr und nicht es gibt nicht allzuviel zu unternehmen. Das war die Erwartung mit der wir hierhin gekommen sind. Für uns ist La Paz in erster Linie Reiseknotenpunkt nach Rurrenabaque im Amazonasgebiet und später nach Peru. Umso schöner, dass die paar Tage hier dann aber doch ganz spannend waren. La Paz liegt in einem riesigen Kessel von Bergen umringt, von denen die höchsten über 6000 Meter sind. Die Strassen sind steil und aufgrund der Höhe kommt man nur langsam voran oder muss abundzu eine Pause einlegen. Besonders auffällig im Straßenbild war für uns, dass die Bürgersteige von Arbeitern gesäumt waren, die an kleinen Schreibtischen unter Sonnenschirmen saßen und unaufhörlich in ihre Schreibmaschinen tippten. Von den kleinen Freiluftbüros bildeten sich teilweise lange Schlangen mit Einheimischen. Wir haben uns schlau gemacht und des Rätsels Lösung war, dass in diesen Tagen die Bolivianer ihre Steuern zahlen müssen und dort die Steuererklärung gemacht wird. Was wir mittlerweile allerdings auch wissen, ist dass die wenigsten Bolivianer ihr geringes Einkommen ernsthaft versteuern...

Nachdem wir am ersten Tag das Stadtzentrum erkundet und uns für den geplanten sechstägigen Abstecher nach Rurrenabaque eingedeckt hatten (mehr Mückenspray, mehr Sonnencreme), fuhren wir einen Tag später nach Tiwanaku. Dabei handelt es sich um eine archäologischen Stätte – und so etwas wie Boliviens Machu Picchu - wo die Ruinen einer Kultur besichtigt werden können, die noch vor den Inka ein riesiges Gebiet unter ihre Fuchtel bringen konnte.  Leider wurde hier das Mauerwerk an einigen Ecken mit viel Phantasie restauriert. Alles in allem ein netter Tagestrip inklusive 3 Stunden Fahrt im vollgepackten Truffi (Minivan-Taxi), von wo aus wir dann nochmal einen Eindruck vom Umland von La Paz bekommen konnten.